Dienstag, 4. März 2008

Sido als Jesus - Wo Hip-Hop Mist ist ...

„Mir ist es völlig egal, ob jemand in Afrika hungert oder in Südamerika im Ghetto abgeknallt wird. Ich bin da nicht, ich lebe da nicht. Mir geht es gut. Ich brauche nicht aufgrund meines angeblich schlechten Gewissens so zu tun, als hätte ich mit irgendeinem gottverdammten Menschen auf dieser Welt Mitleid.“

Bushido setzt sich in der „netzeitung.de“ mit seiner Mitleidlosigkeit wenigstens nicht an die Stelle Jesu wie sein Hip-Hop-Brother Sido, der sich bei einem seiner Videoclips ans Kreuz hängt.

Wer wissen will, wie und warum manche Jugendliche heute so daneben sind, sollte einen Blick auf den rhythmischen Sprechgesang werfen. Aufgetan wie Zuhälter feiern sich diese Musiker mit frauenfeindlichen Texten und gewalttätigem Gehabe vor allem selbst.

Natürlich verdient es Beachtung, dass sich im Hip-Hop die vermeintlich Unterprivilegierten äußern. Dennoch schaudert einen bei dem Gedanken, dass irgendjemand das Getue des Hip-Hop vielleicht auch ernst nehmen könnte.

Letztlich ist es wie bei den Killerspielen. Normalen Jugendlichen schadet das alles nicht – aber gefährdet sind die, die sich von der Gewalt, dem Rassismus und Sexismus der Hip-Hop-Texte faszinieren lassen. Hier heißt es klar dagegen halten. Dass die Kritik von uns über 40jährigen nicht gut ankommt ist klar. So sind hier vor allem Jugendliche selbst gefragt, ihren Altersgenossen klar zu machen, was geht und was einfach nur Mist ist.


Das meint

Ihr
Matthias Treiber

Dienstag, 12. Februar 2008

Ich bin dann mal da

Genug weg gewesen, möchte ich den Pilgern in den Fußstapfen von Hape Kerkeling zurufen. Der Jakobswegboom ist ja wirklich beeindruckend. Auch wir Heilbronner Pfarrer haben schon eine kleine Etappe auf dem Weg nach Santiago – zwischen Weingarten und Meersburg – hinter uns, und eines Montags den Jakobsweg vom Pfarrhaus in Sontheim bis nach Eppingen zu gehen, fand ich auch ganz cool.

So langsam könnte man die Kirche allerdings auch wieder im Dorf lassen, respektive dort aufsuchen. Wer sich auf dem Pilgerweg an Leib und Seele etwas Gutes getan hat, steht ja vor der Frage, wie er damit umgeht, wenn er wieder zurückgekehrt ist. Lässt sich gutes, richtiges Leben nur auf Wegen in der Ferne entdecken? Ehrlicherweise ist es tatsächlich so, dass man zuweilen weg muss, um wieder richtig da zu sein. Das gilt nicht nur für das Pilgern, sondern für jeden Urlaub und manchmal sogar für einen abendlichen Kneipenbesuch.

Diesen anderen Blick kann man aber mit in den Alltag nehmen: Glaube als verändernde Kraft spüren. Die Dinge anders sehen – die Beziehungen und die Aufgaben, die vermeintlichen Pflichten und die vermeintlichen Freiheiten.

Auch hier, in unserem alltäglichen Leben, gibt es unendlich viel zu entdecken und zu gestalten. „Macht euch ein neues Herz und einen neuen Geist,“ heißt es schon beim Propheten Hesekiel – am besten gleich hier und heute. Der Besuch unserer Gottesdienste hilft dabei – nicht nur in Santiago di Compostela.

Mit den besten Wünschen

Ihr

Matthias Treiber

Freitag, 4. Januar 2008

Wellness für den Kopf

Nachdem nun auch die Modemacher die Religion als neuen Trend entdecken, muss wohl etwas dran sein. Michael Michalsky, ehemals Creativ Director von Adidas und gefeierter Designer, prophezeit jedenfalls für 2008 im Magazin Cicero, dass Religion und Bildung „die mentale Stimmung“ prägen als „Wellness für den Kopf“.

Das Lob der Religion stimmt im Vergleich zum Kirchenuntergangsgerede vergangener Jahrzehnte positiv, könnte sich aber für die evangelische Kirche als (wenn schon Bildung, dann sei es so gesagt:) Danaergeschenk erweisen. Denn mit süßem Nichtstun im Whirlpool haben Religion und Bildung ja nicht unbedingt etwas zu tun.

Bildung fällt einem nicht in den Schoß, sondern Denken ist immer Arbeit, bei der es gilt, Inhalte wahrzunehmen, zu verstehen und dann auch noch möglichst selbständig in einen persönlich bedeutsamen Zusammenhang einzuordnen. Uff!! Kein Wunder, wenn viele lieber im Whirlpool der Plappermeinungen liegen bleiben. Simplify your life! heißt dann das Motto.

Mit der Religion verhält sich das ähnlich. Der Besuch von Events, bei denen man dem Papst auf der Festwiese zujubelt oder während der Dresden-Reise einem Konzert in der Frauenkirche lauscht, ist das Eine, das für die Seele erholsam sein mag wie ein Saunagang nach einem anstrengenden Tag.

Religion aber als tragfähig Antwort auf die eigene Sinnfrage, von der Michalsky redet, zu gewinnen, setzt Anstrengung voraus. Ohne Gottesdienstbesuche, Gespräche und christliche Nachfolge in der Nächstenliebe ist das eben nicht zu haben. Aber es lohnt sich ja auch im Sporthotel, neben aller „Wellness“ ein bisschen ins Fitnessstudio zu gehen.

In diesem Sinne ein aktives 2008
wünscht Ihnen herzlich

Ihr
Matthias Treiber

Sonntag, 18. November 2007

Argumente für Gott auf dem Gabentisch - Buchtipps zu Weihnachten

Mit Harry Potter können die drei Bücher, die ich Ihnen zu Weihnachten – als Geschenk oder zum Selberlesen – nahe legen möchte, nicht mithalten, und als Schlusswort möchte ich das Rowling’sche „All was well“ auch nicht stehen lassen, aber immerhin beschäftigt sich der Buchmarkt auch in seinen Bestseller-Listen mit einem Thema, das lange tot schien: der Frage nach Gott.

Ganz herausragend ist Manfred Lütz’ humorvoll und weise geschriebene Darstellung mit dem schlichten Titel „Gott“. (ISBN 3629021581, 19.95 €) Lütz stellt die theologische Gotteslehre und den Atheismus so locker-leicht und dabei so treffend und klug dar, dass man als Pfarrer neidisch werden mag. Er spannt dabei den Bogen vom Freud über Feuerbach bis hin zu Karl Valentin und verankert sein Buch fest in der Gegenwart. Den Atheisten weist er einen „absurden“ Glauben zu, lässt dabei aber auch die Christen nicht ungeschoren davon kommen, die ihm zum Teil zu frömmelnd sind, oder aber denen wie Martin Luther Sinn für Schönheit fehle.

Sei’s drum! Wer dem ganzen Hype um Dawkins „Gotteswahn“ (siehe letzte Ausgabe) etwas entgegen will, wird um das Buch von Lütz nicht herumkommen, das es auf Anhieb auf Platz 5 der SPIEGEL-Bestsellerliste geschafft hat und dem man viele Leser wünscht.

Zahlreiche weitere Neuerscheinungen belegen, dass die Frage nach Gott die Menschen wieder umtreibt. Zwei Bücher sei hier ebenfalls erwähnt: In dem Buch „Gott und die Gene“ (ISBN 3579069685, 22,95 €) begründet der Humangenetiker Francis S. Collins, der das Human Genome Project leitete, mit dem das menschliche Erbgut entschlüsselt wurde, seinen christlichen Glauben. Dabei wendet er sich vor allem gegen Versuche, aus den Naturwissenschaften heraus den Atheismus zu begründen.

Ausdrücklich an „Ungläubige“ wendet sich Christian Nürnberger mit seinem Buch „Jesus für Zweifler“ (ISBN 3579069678, 19,95 €). Das Buch des studierten Theologen und Ehemanns der ZDF-Moderatorin Petra Gerster geht zwar von einer reichlich antikirchlichen Grundposition aus, aber Nürnberger beharrt respektabel darauf, dass der Kern der christlichen Botschaft für alle Menschen wichtig ist, auch für die Ungläubigen und Zweifler.

Gerade in der Adventszeit und auf dem Gabentisch hat diese Sicht der christlichen Botschaft in jedem Fall ihr Recht. Die Argumente für Gott sind stark, und gut ist in jedem Fall, das sich die Frage nach Gott nicht mehr ins Private abschieben lässt, sondern den Buchmarkt mit bestimmt.

Das meint
Ihr
Matthias Treiber

Montag, 8. Oktober 2007

Atheisten-Wahn?

Atheisten kennzeichnet ja vor allem eines: Dass sie vom Glauben an Gott nicht loskommen. So auch Richard Dawkins, der Erfinder des angeblich „egoistischen Gens“. In seinem Buch „Der Gotteswahn“ kann er denn auch nicht anders, als uns Christen als Wahnsinnige abzutun – mit solch einem Eifer, dass ihn sogar die Süddeutsche Zeitung als „atheistischen Hassprediger“ tituliert.

Leider liegt das liberale Blatt damit nicht ganz falsch. Dawkins macht den Glauben für alles Unglück und für alle Verbrechen in der Welt verantwortlich. Dabei ignoriert er die zuweilen durchaus nachdenkenswerte Religionskritik der Neuzeit und genügt sich in der arroganten Pose des Aufklärers.

Dawkins entgegenzutreten ist allerdings einfach. Von Philosophie und Theologie hat er schlichtweg keine Ahnung, und für die größten Mörder der Menschheitsgeschichte – Hitler, Stalin und Mao – wird man Jesus wohl kaum verantwortlich machen können.

Dawkins Buch ist vielleicht fast so etwas wie ein letztes Aufbäumen der Gottlosigkeit, die inzwischen “out“ ist. Wir in der Kirche müssen den Blick auf andere Gefahren für den Glauben richten. Die Bedrohung liegt heute nicht mehr im Atheismus, sondern wohl eher im Fundamenta-lismus, der den Glauben nicht angreift, sondern diskreditiert. Hier muss die Kirche klar auf Kurs bleiben: am Liebesgebot Jesu orientiert, aufgeklärt, hoffnungsfroh und voller Gottvertrauen.

Das meint

Pfarrer Matthias Treiber

Freitag, 27. Juli 2007

Dem Papst sein Dank!

Die überflüssige Herabwürdigung der evangelischen Kirche durch den Papst hat ungeahnt positive Wirkungen für uns Protestanten entfaltet. Fast müsste man Ratzinger für die Welle der Sympathie dankbar sein, die der evangelischen Kirche entgegenschlägt, angefangen von der Zentrale der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover, bei der zahlreiche Briefe und e-Mails eingingen, bis hin zu katholischen Gemeinden vor Ort, die in Offenen Briefen und Unterschriftenlisten ihr Unverständnis für diesen Affront aus Rom ausdrückten.

Theologische Unterschiede beim Selbstverständnis der jeweiligen Kirchen sind das Eine, das man respektieren muss, entscheidender ist gegenwärtig aber die Frage, warum ausgerechnet ein deutscher Papst eine zum gegenwärtigen Zeitpunkt völlig überflüssige Diskussion lostritt.

Zu Recht haben die evangelischen Bischöfe darauf verzichtet, in gleicher Weise Kritik am katholischen Kirchenverständnis zu äußern. Allerdings wird damit wohl leider bei der Ökumene alles beim Alten bleiben: Die evangelische Kirche in ihrer ganzen Breite und einzelne katholische Christen und Priester vor Ort werden die Gemeinsamkeit der Christen suchen und in gegenseitigem Respekt miteinander leben, während aus Rom allezeit Brems- und Störmanöver zu befürchten sind.

Sei’s drum! Die Ökumene vor Ort ist stark genug, um auch dies auszuhalten.

Das meint
Ihr

Matthias Treiber

Freitag, 15. Juni 2007

Ausgrechnet Marilyn Manson

„Man muss Hoffnung für die Welt haben, wenn man etwas beitragen will.“ – Ausgerechnet von Marilyn Manson, dem Schock-Rocker aus Florida, der wegen seiner aggressiven Texte für das Massaker an der Schule in Columbine verantwortlich gemacht (und mit einem Auftrittsverbot belegt) wurde, müssen wir uns das sagen lassen.

Nun freut sich Gott gewiss über einen reuigen Sünder mehr als über hundert Gerechte – und die Angriffe auf den Musiker, den man nicht gut finden muss, waren oft von Bigotterie und Heuchelei geprägt; aber darum geht es mir nicht, sondern um den Inhalt des Gesagten.

„Man muss Hoffnung haben für die Welt.“ Nach Jahren voller Depression und Weltunter-gangsgeschwafel und in der gegenwärtigen Katastrophenhysterie täte uns die Gegenrichtung wahrlich wieder gut: Hoffnung zu haben für die Welt
- in dem einfachen Glauben, dass Gott ist, der die Welt geschaffen hat und uns erhält,
- in der einfachen Erkenntnis, dass es uns doch gut geht,
- in dem Wissen, dass wir von Gott unendlich viele Möglichkeiten bekommen haben, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen, wenn wir nur unser Leben selbst in die Hand nehmen, Augen, Ohren und Herzen öffnen und schauen, was unseren Nächsten und uns selbst gut täte.

Wir können gleich heute damit anfangen!