In der gegenwärtigen Finanzkrise haben sich die Kirchen mit öffentlichen Äußerungen weise zurückgehalten. Der Papst erinnerte zwar an die Worte der Bergpredigt gegen den Mammon, aber ansonsten wissen die Kirchenvertreter wohl sehr genau, dass dies keine Stunde des Auftrumpfens derer ist, die es immer schon besser wussten. Nicht nur das Schicksal der Vatikanbank und die von einer kleinen Landeskirche bei den Lehmann Bros. versenkten Millionen lehren, dass Christen dem Geldgeschäft nicht entkommen. Wer, mit manch Euro auf der hohen Kante, kämpfte in den zurückliegenden Jahren nicht gegen die Versuchung, sein Erspartes von der Sparkasse abzuziehen und wegen einiger Zehntel Prozentpunkte mehr bei einer anderen Bank anzulegen? Kein Grund also, nun belehrend mit den „Finanzhaien“ abzurechnen, sondern ein Anlass, gemeinsam darauf zu schauen, was aus christlicher Sicht zum Geld zu sagen ist.
Besitzlosigkeit haben die Christen weder propagiert noch Jesu Jünger praktiziert. Sie hatten wohl eine gemeinsame Kasse (Joh. 13,29) und auch ihre Familien hatten ihr finanzielles Auskommen. Einige besaßen immerhin Boote, auf dem dreizehn Männer Platz fanden (Mk. 4,35f.) und es gibt keinen Hinweis darauf, Jesus bei seinem Eintreten für die Armen (Lk. 6,20) seine Jünger oder die eigene Familie im Blick hatte. Im Gegenteil, er hat reiche Anhänger und Verehrerinnen. (Mk. 14,3) Allerdings war die damalige wirtschaftliche Situation eine völlig andere als heute. Fast alle Menschen lebten in einer für uns unvorstellbaren materiellen Knappheit. Als „arm“ galt bei Jesus aber nur, wer für sein Auskommen nicht sorgen konnte, sei es als Witwe (Mk. 12, 41) oder weil er krank war. Ein Auskommen zum Überleben sollte jeder finden (Mt. 20, 1ff.). Das ist Jesu Verständnis von Gerechtigkeit.
Obgleich in den Siebzigern gerne kolportiert, war Jesus gewiss kein Sozialist. Mit großer Selbstverständlichkeit nutzt er kapitalistisches Gewinnstreben als Vorbild im Gleichnis (Lk. 19,11ff.). Dass den Reichen ihr Geld zu nehmen sei, sagt er an keiner Stelle. Der reiche Jüngling (Mk. 10,17ff.) wird von ihm nicht deswegen abgewiesen, weil er reich ist, sondern in seinem Besitz gefangen. Geld ist also nicht grundsätzlich das Problem, sondern nur dann, wenn es nicht mehr Mittel zum Leben ist, sondern dessen Ziel als Götze „Mammon“. (Mt. 6,24) Geiz und Gier sind die beiden Seiten einer Medaille, die Arm und Reich auf falsche Pfade führt.
Diese falschen Pfade sind wir alle gegangen, die Investmentbanker, die nur für die eigene Tasche wirtschafteten ebenso wie die Kunden, die Geiz „geil“ fanden, die Besitzstandwahrer ebenso wie der besserwisserische „Wirtschaftsweise“. Für uns alle gilt, was schon in den biblischen Sprüchen (14,24) steht: Den Weisen ist ihr Reichtum eine Krone; aber die Narrheit der Toren bleibt Narrheit.
Gerade allerdings haben wir die große Chance, aus Schaden klug zu werden. Denn auch wer jetzt Geld verloren hat, wird nicht verhungern, sondern wir können lernen, uns voll Vertrauen das Wort Jesu zu Herzen zu nehmen: „Darum sollt ihr nicht sorgen, denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ (aus Mt. 6,31-33)
Eine gesegnete Adventszeit wünscht Ihnen
Matthias Treiber
Mittwoch, 19. November 2008
Dienstag, 21. Oktober 2008
Wo Träume wahr werden

Man mag das Motto der Disney-Parks „Where dreams come true“ belächeln, aber die Populärkultur produziert und präsentiert immer wieder diese wohlig-schauerlichen Erlebnisse, dass Träume tatsächlich wahr werden können.
Jüngstes Beispiel ist die britische Casting-Show „Britain’s Got Talent“, wo selbst dem dortigen Dieter-Bohlen-Verschnitt die Stimme weg blieb, als ein kleiner Mann mit krummen Zähnen ein großes Publikum mit einer Arie von Puccini zu Tränen rührte. Der ehemalige Handy-Verkäufer Paul Potts ist inzwischen ein gemachter Mann und auf Welt-Tournee, während wir kleinen Normalbürger uns mit ihm freuen dürfen, dass so etwas möglich ist: dass Träume wahr werden.
Ein unbedarfter Nobody war Potts natürlich nie. Hinter ihm liegen nicht nur Jahre im Kirchenchor, sondern auch eine grundsolide Gesangsausbildung und der Wille, aus seinem Gesangstalent etwas zu machen. Ohne eigene Anstrengung wird man eben auch im populären Klassikgeschäft nichts.
Und Philosoph ist Potts auch. Seine Dissertation schrieb er über die Frage des Bösen und des Leidens in einer von Gott geschaffenen Welt. Neben den philosophische Überlegungen gibt es darauf für mich nur eine Antwort, die trägt, die des Glaubens: Dass Gott gerade mit denen ist, die leiden, die Trauer tragen, die im Leben zu kurz kommen und die nicht mithalten können. Was uns belastet, wird Gott nicht einfach wegnehmen, aber er nimmt uns an der Hand und zuweilen führt er uns auf Wege, wo unsere Träume wirklich wahr werden.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr
Matthias Treiber
Dienstag, 14. Oktober 2008
Danke zum Erntedank
Bei Google steht es 99 zu 403 Millionen. So oft jedenfalls sind die Begriffe „Danke“ und „Bitte“ dort gelistet. Nur auf jede vierte Bitte folgt also ein Dank. In der Musik ist es wohl ähnlich. Arg häufig wird dort auch nicht „Danke“ gesagt. Gewiss, „Thank You for the Musik“ von Abba, klingt immer noch ganz toll, aber sonst?
Immerhin gibt es noch „Danke für diesen guten Morgen“ von Martin Schneider. Es gehörte schon bei „Sie wünschen – wir spielen“ zu den beliebtesten Kirchenliedern. Noch heute erklingt es bei vielen Hochzeiten und Familiengottesdiensten – nun auch wieder zu Erntedank. Und Danke sagen sollte man tatsächlich öfters:
Für Gesundheit und für die Familie und Freunde natürlich – und für die Kraft, eine Krankheit zu ertragen und manche Einsamkeit dazu.
Für Frieden, Freiheit und Wohlstand in unserem Land – und für die Menschen, die öffentliche Verantwortung dafür wahrnehmen.
Für eine gute Ernte und einen guten Tropfen – und für die manchmal ärgerliche Erinnerung daran, dass auch das Maßhalten nötig ist.
Für alle Bewahrung auf allen Wegen des Lebens – und für manche Erfahrung von Grenzen, die uns vor uns selbst bewahren.
Dafür möchte ich an Erntedank danken.
Ihr
Matthias Treiber
Immerhin gibt es noch „Danke für diesen guten Morgen“ von Martin Schneider. Es gehörte schon bei „Sie wünschen – wir spielen“ zu den beliebtesten Kirchenliedern. Noch heute erklingt es bei vielen Hochzeiten und Familiengottesdiensten – nun auch wieder zu Erntedank. Und Danke sagen sollte man tatsächlich öfters:
Für Gesundheit und für die Familie und Freunde natürlich – und für die Kraft, eine Krankheit zu ertragen und manche Einsamkeit dazu.
Für Frieden, Freiheit und Wohlstand in unserem Land – und für die Menschen, die öffentliche Verantwortung dafür wahrnehmen.
Für eine gute Ernte und einen guten Tropfen – und für die manchmal ärgerliche Erinnerung daran, dass auch das Maßhalten nötig ist.
Für alle Bewahrung auf allen Wegen des Lebens – und für manche Erfahrung von Grenzen, die uns vor uns selbst bewahren.
Dafür möchte ich an Erntedank danken.
Ihr
Matthias Treiber
Dienstag, 17. Juni 2008
Einfach so nachgeben?
Ein Kratzer im Autolack, ein Lappalie, die sich mit der Versicherung schnell regeln lässt. Doch dann streitet die Unfallverursacherin plötzlich alles ab. Die Polizei wird gerufen. Ärger und ein langer Streit ums Recht.
Es ist doch tatsächlich unser „gutes Recht“, Recht zu bekommen. Wohl kaum etwas scheint Leute so zu belasten wie das Gefühl, einem Unrecht ausgeliefert zu sein. Seit fast jeder eine Recht-schutzversicherung hat, wird – man möchte fast sagen – „auf Teufel komm raus“ prozessiert: Wegen Efeubewuchs auf der Grundstücksmauer oder Kindern auf dem Spielplatz, wegen dem Läuten der Kirchenglocken und vielen anderen Bagatellen.
Der Teufel lauert da wohl tatsächlich zwischen all dem Rechthaben und Rechtbekommen – und vor allem nagt er an der Seele. Aus dem – oft vermeintlichen – Unrecht wächst unser Zorn. Doch die Bibel hat wenig Vertrauen in die irdische Gerechtigkeit. Sie gilt meist als Mittel der Mächtigen, die Armen zu unterdrücken.
Also die andere Wange hinhalten? Einfach auf sein „gutes Recht“ verzichten? Demütig sein – und zwar da, wo es weh tut?
Einfache Lösungen wird es nicht geben. Aber in einer Gesellschaft der „Prozesshansel“ wird man darauf hinweisen müssen, dass es manchmal für die eigene Seele doch besser ist, nachzugeben, als sich ewig benachteiligt zu fühlen.
Das meint Ihr
Matthias Treiber
Es ist doch tatsächlich unser „gutes Recht“, Recht zu bekommen. Wohl kaum etwas scheint Leute so zu belasten wie das Gefühl, einem Unrecht ausgeliefert zu sein. Seit fast jeder eine Recht-schutzversicherung hat, wird – man möchte fast sagen – „auf Teufel komm raus“ prozessiert: Wegen Efeubewuchs auf der Grundstücksmauer oder Kindern auf dem Spielplatz, wegen dem Läuten der Kirchenglocken und vielen anderen Bagatellen.
Der Teufel lauert da wohl tatsächlich zwischen all dem Rechthaben und Rechtbekommen – und vor allem nagt er an der Seele. Aus dem – oft vermeintlichen – Unrecht wächst unser Zorn. Doch die Bibel hat wenig Vertrauen in die irdische Gerechtigkeit. Sie gilt meist als Mittel der Mächtigen, die Armen zu unterdrücken.
Also die andere Wange hinhalten? Einfach auf sein „gutes Recht“ verzichten? Demütig sein – und zwar da, wo es weh tut?
Einfache Lösungen wird es nicht geben. Aber in einer Gesellschaft der „Prozesshansel“ wird man darauf hinweisen müssen, dass es manchmal für die eigene Seele doch besser ist, nachzugeben, als sich ewig benachteiligt zu fühlen.
Das meint Ihr
Matthias Treiber
Sonntag, 25. Mai 2008
Rentner vs. Jugend ?
Die Sache ist für uns Christen eigentlich ganz einfach: Wir sollen „Vater und Mutter ehren“ heißt es im vierten Gebot, und das bedeutet ganz klar, dass die Jüngeren für das Auskommen der Älteren zu sorgen haben.
In unserem durchregulierten Staat scheint das nun allerdings nicht mehr so einfach zu sein. Eine zwar nur geringe Rentenerhöhung, die aber zugleich das wohl austarierte Finanzierungssystem über den Haufen wirft, lässt die Kolumnisten nun einen „Kampf der Alten gegen die Jungen“ be-fürchten.
Die Wirklichkeit ist eine andere. Der Kampf der Generationen findet nicht statt. Viele Ältere werden aufopferungsvoll von ihren Kindern gepflegt – und viele jüngere Familien könnten ihren Alltag ohne die Unterstützung der Großeltern durch Babysitting, Bring-, Hol- und Fahrdienste gar nicht bewältigen. Ganz davon abgesehen, dass viele Ruheständler, soweit ihnen das möglich ist, ihren Kindern zumeist auch finanziell unter die Arme greifen.
Das Problem ist nicht das Zusammenleben der Generationen, sondern das Versagen der Politik – angefangen von Adenauers Rentenreform 1956 über die Beschwörungsformel „Die Rente ist sicher“ zu Kohl Zeiten bis hin zur systematischen Benachteiligung von Müttern im Rentensystem. Hier ist ganz einfach sinnvolles politisches Handeln gefragt - und nicht unverantwortliche Stim-mungsmache.
Das meint
Ihr
Matthias Treiber
In unserem durchregulierten Staat scheint das nun allerdings nicht mehr so einfach zu sein. Eine zwar nur geringe Rentenerhöhung, die aber zugleich das wohl austarierte Finanzierungssystem über den Haufen wirft, lässt die Kolumnisten nun einen „Kampf der Alten gegen die Jungen“ be-fürchten.
Die Wirklichkeit ist eine andere. Der Kampf der Generationen findet nicht statt. Viele Ältere werden aufopferungsvoll von ihren Kindern gepflegt – und viele jüngere Familien könnten ihren Alltag ohne die Unterstützung der Großeltern durch Babysitting, Bring-, Hol- und Fahrdienste gar nicht bewältigen. Ganz davon abgesehen, dass viele Ruheständler, soweit ihnen das möglich ist, ihren Kindern zumeist auch finanziell unter die Arme greifen.
Das Problem ist nicht das Zusammenleben der Generationen, sondern das Versagen der Politik – angefangen von Adenauers Rentenreform 1956 über die Beschwörungsformel „Die Rente ist sicher“ zu Kohl Zeiten bis hin zur systematischen Benachteiligung von Müttern im Rentensystem. Hier ist ganz einfach sinnvolles politisches Handeln gefragt - und nicht unverantwortliche Stim-mungsmache.
Das meint
Ihr
Matthias Treiber
Samstag, 12. April 2008
Heidi Knadenlos
Tief schaut Heidi Klum dem Mädchen in die Augen, lässt es eine Ewigkeit lang zappeln und spricht ein paar Worte, die sich keine Schülerin von ihrer Lehrerin gefallen lassen würde - und wieder löst sich der Traum von der Karriere als Model in Tränen auf.
„Germany’s Next Topmodel“ ist ein absolutes Muss und zählt zusammen mit „Deutschland sucht den Superstar“ zu den Quotenbringern des Fernsehens. Junge Menschen träumen von Karrie-ren, für die die meisten nicht entfernt begabt genug sind, und lassen sich dafür von etablierten Proleten und Modepüppchen gnadenlos fertig machen.
So weit so schlecht werden eben die Träume von Durchschnittsmenschen ausgenutzt. Be-merkenswert finde ich allerdings, mit welcher Leidenschaft gerade Jugendliche diese Sendungen anschauen. Ist es Schadenfreude über die Versager? Ich denke nicht. Viel eher spielt Solidarität mit anderen eine Rolle, die auch nicht mehr können, als man selbst, und die stellvertretend für einen die Karriereträume – und ihr Zerplatzen – durchleiden.
Beide Sendungen zelebrieren eine Welt, die wohl so ist wie sie ist – leistungsorientiert und menschenverachtend .
Die Kirche ist so ziemlich das Gegenteil davon. Hier wird jeder so angenommen, wie er ist, und der Wert eines Menschen ergibt sich nicht aus seiner Leistung, sondern aus der Liebe, zu der Gott uns Menschen befähigt hat.
Junge Menschen spüren das. Wohl deshalb fühlen sich so viele Jugendliche in der kirchlichen Jugendarbeit so wohl.
Das meint Ihr
Matthias Treiber
„Germany’s Next Topmodel“ ist ein absolutes Muss und zählt zusammen mit „Deutschland sucht den Superstar“ zu den Quotenbringern des Fernsehens. Junge Menschen träumen von Karrie-ren, für die die meisten nicht entfernt begabt genug sind, und lassen sich dafür von etablierten Proleten und Modepüppchen gnadenlos fertig machen.
So weit so schlecht werden eben die Träume von Durchschnittsmenschen ausgenutzt. Be-merkenswert finde ich allerdings, mit welcher Leidenschaft gerade Jugendliche diese Sendungen anschauen. Ist es Schadenfreude über die Versager? Ich denke nicht. Viel eher spielt Solidarität mit anderen eine Rolle, die auch nicht mehr können, als man selbst, und die stellvertretend für einen die Karriereträume – und ihr Zerplatzen – durchleiden.
Beide Sendungen zelebrieren eine Welt, die wohl so ist wie sie ist – leistungsorientiert und menschenverachtend .
Die Kirche ist so ziemlich das Gegenteil davon. Hier wird jeder so angenommen, wie er ist, und der Wert eines Menschen ergibt sich nicht aus seiner Leistung, sondern aus der Liebe, zu der Gott uns Menschen befähigt hat.
Junge Menschen spüren das. Wohl deshalb fühlen sich so viele Jugendliche in der kirchlichen Jugendarbeit so wohl.
Das meint Ihr
Matthias Treiber
Dienstag, 4. März 2008
Sido als Jesus - Wo Hip-Hop Mist ist ...
„Mir ist es völlig egal, ob jemand in Afrika hungert oder in Südamerika im Ghetto abgeknallt wird. Ich bin da nicht, ich lebe da nicht. Mir geht es gut. Ich brauche nicht aufgrund meines angeblich schlechten Gewissens so zu tun, als hätte ich mit irgendeinem gottverdammten Menschen auf dieser Welt Mitleid.“
Bushido setzt sich in der „netzeitung.de“ mit seiner Mitleidlosigkeit wenigstens nicht an die Stelle Jesu wie sein Hip-Hop-Brother Sido, der sich bei einem seiner Videoclips ans Kreuz hängt.
Wer wissen will, wie und warum manche Jugendliche heute so daneben sind, sollte einen Blick auf den rhythmischen Sprechgesang werfen. Aufgetan wie Zuhälter feiern sich diese Musiker mit frauenfeindlichen Texten und gewalttätigem Gehabe vor allem selbst.
Natürlich verdient es Beachtung, dass sich im Hip-Hop die vermeintlich Unterprivilegierten äußern. Dennoch schaudert einen bei dem Gedanken, dass irgendjemand das Getue des Hip-Hop vielleicht auch ernst nehmen könnte.
Letztlich ist es wie bei den Killerspielen. Normalen Jugendlichen schadet das alles nicht – aber gefährdet sind die, die sich von der Gewalt, dem Rassismus und Sexismus der Hip-Hop-Texte faszinieren lassen. Hier heißt es klar dagegen halten. Dass die Kritik von uns über 40jährigen nicht gut ankommt ist klar. So sind hier vor allem Jugendliche selbst gefragt, ihren Altersgenossen klar zu machen, was geht und was einfach nur Mist ist.
Das meint
Ihr
Matthias Treiber
Bushido setzt sich in der „netzeitung.de“ mit seiner Mitleidlosigkeit wenigstens nicht an die Stelle Jesu wie sein Hip-Hop-Brother Sido, der sich bei einem seiner Videoclips ans Kreuz hängt.
Wer wissen will, wie und warum manche Jugendliche heute so daneben sind, sollte einen Blick auf den rhythmischen Sprechgesang werfen. Aufgetan wie Zuhälter feiern sich diese Musiker mit frauenfeindlichen Texten und gewalttätigem Gehabe vor allem selbst.
Natürlich verdient es Beachtung, dass sich im Hip-Hop die vermeintlich Unterprivilegierten äußern. Dennoch schaudert einen bei dem Gedanken, dass irgendjemand das Getue des Hip-Hop vielleicht auch ernst nehmen könnte.
Letztlich ist es wie bei den Killerspielen. Normalen Jugendlichen schadet das alles nicht – aber gefährdet sind die, die sich von der Gewalt, dem Rassismus und Sexismus der Hip-Hop-Texte faszinieren lassen. Hier heißt es klar dagegen halten. Dass die Kritik von uns über 40jährigen nicht gut ankommt ist klar. So sind hier vor allem Jugendliche selbst gefragt, ihren Altersgenossen klar zu machen, was geht und was einfach nur Mist ist.
Das meint
Ihr
Matthias Treiber
Dienstag, 12. Februar 2008
Ich bin dann mal da
Genug weg gewesen, möchte ich den Pilgern in den Fußstapfen von Hape Kerkeling zurufen. Der Jakobswegboom ist ja wirklich beeindruckend. Auch wir Heilbronner Pfarrer haben schon eine kleine Etappe auf dem Weg nach Santiago – zwischen Weingarten und Meersburg – hinter uns, und eines Montags den Jakobsweg vom Pfarrhaus in Sontheim bis nach Eppingen zu gehen, fand ich auch ganz cool.
So langsam könnte man die Kirche allerdings auch wieder im Dorf lassen, respektive dort aufsuchen. Wer sich auf dem Pilgerweg an Leib und Seele etwas Gutes getan hat, steht ja vor der Frage, wie er damit umgeht, wenn er wieder zurückgekehrt ist. Lässt sich gutes, richtiges Leben nur auf Wegen in der Ferne entdecken? Ehrlicherweise ist es tatsächlich so, dass man zuweilen weg muss, um wieder richtig da zu sein. Das gilt nicht nur für das Pilgern, sondern für jeden Urlaub und manchmal sogar für einen abendlichen Kneipenbesuch.
Diesen anderen Blick kann man aber mit in den Alltag nehmen: Glaube als verändernde Kraft spüren. Die Dinge anders sehen – die Beziehungen und die Aufgaben, die vermeintlichen Pflichten und die vermeintlichen Freiheiten.
Auch hier, in unserem alltäglichen Leben, gibt es unendlich viel zu entdecken und zu gestalten. „Macht euch ein neues Herz und einen neuen Geist,“ heißt es schon beim Propheten Hesekiel – am besten gleich hier und heute. Der Besuch unserer Gottesdienste hilft dabei – nicht nur in Santiago di Compostela.
Mit den besten Wünschen
Ihr
Matthias Treiber
So langsam könnte man die Kirche allerdings auch wieder im Dorf lassen, respektive dort aufsuchen. Wer sich auf dem Pilgerweg an Leib und Seele etwas Gutes getan hat, steht ja vor der Frage, wie er damit umgeht, wenn er wieder zurückgekehrt ist. Lässt sich gutes, richtiges Leben nur auf Wegen in der Ferne entdecken? Ehrlicherweise ist es tatsächlich so, dass man zuweilen weg muss, um wieder richtig da zu sein. Das gilt nicht nur für das Pilgern, sondern für jeden Urlaub und manchmal sogar für einen abendlichen Kneipenbesuch.
Diesen anderen Blick kann man aber mit in den Alltag nehmen: Glaube als verändernde Kraft spüren. Die Dinge anders sehen – die Beziehungen und die Aufgaben, die vermeintlichen Pflichten und die vermeintlichen Freiheiten.
Auch hier, in unserem alltäglichen Leben, gibt es unendlich viel zu entdecken und zu gestalten. „Macht euch ein neues Herz und einen neuen Geist,“ heißt es schon beim Propheten Hesekiel – am besten gleich hier und heute. Der Besuch unserer Gottesdienste hilft dabei – nicht nur in Santiago di Compostela.
Mit den besten Wünschen
Ihr
Matthias Treiber
Freitag, 4. Januar 2008
Wellness für den Kopf
Nachdem nun auch die Modemacher die Religion als neuen Trend entdecken, muss wohl etwas dran sein. Michael Michalsky, ehemals Creativ Director von Adidas und gefeierter Designer, prophezeit jedenfalls für 2008 im Magazin Cicero, dass Religion und Bildung „die mentale Stimmung“ prägen als „Wellness für den Kopf“.
Das Lob der Religion stimmt im Vergleich zum Kirchenuntergangsgerede vergangener Jahrzehnte positiv, könnte sich aber für die evangelische Kirche als (wenn schon Bildung, dann sei es so gesagt:) Danaergeschenk erweisen. Denn mit süßem Nichtstun im Whirlpool haben Religion und Bildung ja nicht unbedingt etwas zu tun.
Bildung fällt einem nicht in den Schoß, sondern Denken ist immer Arbeit, bei der es gilt, Inhalte wahrzunehmen, zu verstehen und dann auch noch möglichst selbständig in einen persönlich bedeutsamen Zusammenhang einzuordnen. Uff!! Kein Wunder, wenn viele lieber im Whirlpool der Plappermeinungen liegen bleiben. Simplify your life! heißt dann das Motto.
Mit der Religion verhält sich das ähnlich. Der Besuch von Events, bei denen man dem Papst auf der Festwiese zujubelt oder während der Dresden-Reise einem Konzert in der Frauenkirche lauscht, ist das Eine, das für die Seele erholsam sein mag wie ein Saunagang nach einem anstrengenden Tag.
Religion aber als tragfähig Antwort auf die eigene Sinnfrage, von der Michalsky redet, zu gewinnen, setzt Anstrengung voraus. Ohne Gottesdienstbesuche, Gespräche und christliche Nachfolge in der Nächstenliebe ist das eben nicht zu haben. Aber es lohnt sich ja auch im Sporthotel, neben aller „Wellness“ ein bisschen ins Fitnessstudio zu gehen.
In diesem Sinne ein aktives 2008
wünscht Ihnen herzlich
Ihr
Matthias Treiber
Das Lob der Religion stimmt im Vergleich zum Kirchenuntergangsgerede vergangener Jahrzehnte positiv, könnte sich aber für die evangelische Kirche als (wenn schon Bildung, dann sei es so gesagt:) Danaergeschenk erweisen. Denn mit süßem Nichtstun im Whirlpool haben Religion und Bildung ja nicht unbedingt etwas zu tun.
Bildung fällt einem nicht in den Schoß, sondern Denken ist immer Arbeit, bei der es gilt, Inhalte wahrzunehmen, zu verstehen und dann auch noch möglichst selbständig in einen persönlich bedeutsamen Zusammenhang einzuordnen. Uff!! Kein Wunder, wenn viele lieber im Whirlpool der Plappermeinungen liegen bleiben. Simplify your life! heißt dann das Motto.
Mit der Religion verhält sich das ähnlich. Der Besuch von Events, bei denen man dem Papst auf der Festwiese zujubelt oder während der Dresden-Reise einem Konzert in der Frauenkirche lauscht, ist das Eine, das für die Seele erholsam sein mag wie ein Saunagang nach einem anstrengenden Tag.
Religion aber als tragfähig Antwort auf die eigene Sinnfrage, von der Michalsky redet, zu gewinnen, setzt Anstrengung voraus. Ohne Gottesdienstbesuche, Gespräche und christliche Nachfolge in der Nächstenliebe ist das eben nicht zu haben. Aber es lohnt sich ja auch im Sporthotel, neben aller „Wellness“ ein bisschen ins Fitnessstudio zu gehen.
In diesem Sinne ein aktives 2008
wünscht Ihnen herzlich
Ihr
Matthias Treiber
Sonntag, 18. November 2007
Argumente für Gott auf dem Gabentisch - Buchtipps zu Weihnachten
Mit Harry Potter können die drei Bücher, die ich Ihnen zu Weihnachten – als Geschenk oder zum Selberlesen – nahe legen möchte, nicht mithalten, und als Schlusswort möchte ich das Rowling’sche „All was well“ auch nicht stehen lassen, aber immerhin beschäftigt sich der Buchmarkt auch in seinen Bestseller-Listen mit einem Thema, das lange tot schien: der Frage nach Gott.
Ganz herausragend ist Manfred Lütz’ humorvoll und weise geschriebene Darstellung mit dem schlichten Titel „Gott“. (ISBN 3629021581, 19.95 €) Lütz stellt die theologische Gotteslehre und den Atheismus so locker-leicht und dabei so treffend und klug dar, dass man als Pfarrer neidisch werden mag. Er spannt dabei den Bogen vom Freud über Feuerbach bis hin zu Karl Valentin und verankert sein Buch fest in der Gegenwart. Den Atheisten weist er einen „absurden“ Glauben zu, lässt dabei aber auch die Christen nicht ungeschoren davon kommen, die ihm zum Teil zu frömmelnd sind, oder aber denen wie Martin Luther Sinn für Schönheit fehle.
Sei’s drum! Wer dem ganzen Hype um Dawkins „Gotteswahn“ (siehe letzte Ausgabe) etwas entgegen will, wird um das Buch von Lütz nicht herumkommen, das es auf Anhieb auf Platz 5 der SPIEGEL-Bestsellerliste geschafft hat und dem man viele Leser wünscht.
Zahlreiche weitere Neuerscheinungen belegen, dass die Frage nach Gott die Menschen wieder umtreibt. Zwei Bücher sei hier ebenfalls erwähnt: In dem Buch „Gott und die Gene“ (ISBN 3579069685, 22,95 €) begründet der Humangenetiker Francis S. Collins, der das Human Genome Project leitete, mit dem das menschliche Erbgut entschlüsselt wurde, seinen christlichen Glauben. Dabei wendet er sich vor allem gegen Versuche, aus den Naturwissenschaften heraus den Atheismus zu begründen.
Ausdrücklich an „Ungläubige“ wendet sich Christian Nürnberger mit seinem Buch „Jesus für Zweifler“ (ISBN 3579069678, 19,95 €). Das Buch des studierten Theologen und Ehemanns der ZDF-Moderatorin Petra Gerster geht zwar von einer reichlich antikirchlichen Grundposition aus, aber Nürnberger beharrt respektabel darauf, dass der Kern der christlichen Botschaft für alle Menschen wichtig ist, auch für die Ungläubigen und Zweifler.
Gerade in der Adventszeit und auf dem Gabentisch hat diese Sicht der christlichen Botschaft in jedem Fall ihr Recht. Die Argumente für Gott sind stark, und gut ist in jedem Fall, das sich die Frage nach Gott nicht mehr ins Private abschieben lässt, sondern den Buchmarkt mit bestimmt.
Das meint
Ihr
Matthias Treiber
Ganz herausragend ist Manfred Lütz’ humorvoll und weise geschriebene Darstellung mit dem schlichten Titel „Gott“. (ISBN 3629021581, 19.95 €) Lütz stellt die theologische Gotteslehre und den Atheismus so locker-leicht und dabei so treffend und klug dar, dass man als Pfarrer neidisch werden mag. Er spannt dabei den Bogen vom Freud über Feuerbach bis hin zu Karl Valentin und verankert sein Buch fest in der Gegenwart. Den Atheisten weist er einen „absurden“ Glauben zu, lässt dabei aber auch die Christen nicht ungeschoren davon kommen, die ihm zum Teil zu frömmelnd sind, oder aber denen wie Martin Luther Sinn für Schönheit fehle.
Sei’s drum! Wer dem ganzen Hype um Dawkins „Gotteswahn“ (siehe letzte Ausgabe) etwas entgegen will, wird um das Buch von Lütz nicht herumkommen, das es auf Anhieb auf Platz 5 der SPIEGEL-Bestsellerliste geschafft hat und dem man viele Leser wünscht.
Zahlreiche weitere Neuerscheinungen belegen, dass die Frage nach Gott die Menschen wieder umtreibt. Zwei Bücher sei hier ebenfalls erwähnt: In dem Buch „Gott und die Gene“ (ISBN 3579069685, 22,95 €) begründet der Humangenetiker Francis S. Collins, der das Human Genome Project leitete, mit dem das menschliche Erbgut entschlüsselt wurde, seinen christlichen Glauben. Dabei wendet er sich vor allem gegen Versuche, aus den Naturwissenschaften heraus den Atheismus zu begründen.
Ausdrücklich an „Ungläubige“ wendet sich Christian Nürnberger mit seinem Buch „Jesus für Zweifler“ (ISBN 3579069678, 19,95 €). Das Buch des studierten Theologen und Ehemanns der ZDF-Moderatorin Petra Gerster geht zwar von einer reichlich antikirchlichen Grundposition aus, aber Nürnberger beharrt respektabel darauf, dass der Kern der christlichen Botschaft für alle Menschen wichtig ist, auch für die Ungläubigen und Zweifler.
Gerade in der Adventszeit und auf dem Gabentisch hat diese Sicht der christlichen Botschaft in jedem Fall ihr Recht. Die Argumente für Gott sind stark, und gut ist in jedem Fall, das sich die Frage nach Gott nicht mehr ins Private abschieben lässt, sondern den Buchmarkt mit bestimmt.
Das meint
Ihr
Matthias Treiber
Montag, 8. Oktober 2007
Atheisten-Wahn?
Atheisten kennzeichnet ja vor allem eines: Dass sie vom Glauben an Gott nicht loskommen. So auch Richard Dawkins, der Erfinder des angeblich „egoistischen Gens“. In seinem Buch „Der Gotteswahn“ kann er denn auch nicht anders, als uns Christen als Wahnsinnige abzutun – mit solch einem Eifer, dass ihn sogar die Süddeutsche Zeitung als „atheistischen Hassprediger“ tituliert.
Leider liegt das liberale Blatt damit nicht ganz falsch. Dawkins macht den Glauben für alles Unglück und für alle Verbrechen in der Welt verantwortlich. Dabei ignoriert er die zuweilen durchaus nachdenkenswerte Religionskritik der Neuzeit und genügt sich in der arroganten Pose des Aufklärers.
Dawkins entgegenzutreten ist allerdings einfach. Von Philosophie und Theologie hat er schlichtweg keine Ahnung, und für die größten Mörder der Menschheitsgeschichte – Hitler, Stalin und Mao – wird man Jesus wohl kaum verantwortlich machen können.
Dawkins Buch ist vielleicht fast so etwas wie ein letztes Aufbäumen der Gottlosigkeit, die inzwischen “out“ ist. Wir in der Kirche müssen den Blick auf andere Gefahren für den Glauben richten. Die Bedrohung liegt heute nicht mehr im Atheismus, sondern wohl eher im Fundamenta-lismus, der den Glauben nicht angreift, sondern diskreditiert. Hier muss die Kirche klar auf Kurs bleiben: am Liebesgebot Jesu orientiert, aufgeklärt, hoffnungsfroh und voller Gottvertrauen.
Das meint
Pfarrer Matthias Treiber
Leider liegt das liberale Blatt damit nicht ganz falsch. Dawkins macht den Glauben für alles Unglück und für alle Verbrechen in der Welt verantwortlich. Dabei ignoriert er die zuweilen durchaus nachdenkenswerte Religionskritik der Neuzeit und genügt sich in der arroganten Pose des Aufklärers.
Dawkins entgegenzutreten ist allerdings einfach. Von Philosophie und Theologie hat er schlichtweg keine Ahnung, und für die größten Mörder der Menschheitsgeschichte – Hitler, Stalin und Mao – wird man Jesus wohl kaum verantwortlich machen können.
Dawkins Buch ist vielleicht fast so etwas wie ein letztes Aufbäumen der Gottlosigkeit, die inzwischen “out“ ist. Wir in der Kirche müssen den Blick auf andere Gefahren für den Glauben richten. Die Bedrohung liegt heute nicht mehr im Atheismus, sondern wohl eher im Fundamenta-lismus, der den Glauben nicht angreift, sondern diskreditiert. Hier muss die Kirche klar auf Kurs bleiben: am Liebesgebot Jesu orientiert, aufgeklärt, hoffnungsfroh und voller Gottvertrauen.
Das meint
Pfarrer Matthias Treiber
Freitag, 27. Juli 2007
Dem Papst sein Dank!
Die überflüssige Herabwürdigung der evangelischen Kirche durch den Papst hat ungeahnt positive Wirkungen für uns Protestanten entfaltet. Fast müsste man Ratzinger für die Welle der Sympathie dankbar sein, die der evangelischen Kirche entgegenschlägt, angefangen von der Zentrale der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover, bei der zahlreiche Briefe und e-Mails eingingen, bis hin zu katholischen Gemeinden vor Ort, die in Offenen Briefen und Unterschriftenlisten ihr Unverständnis für diesen Affront aus Rom ausdrückten.
Theologische Unterschiede beim Selbstverständnis der jeweiligen Kirchen sind das Eine, das man respektieren muss, entscheidender ist gegenwärtig aber die Frage, warum ausgerechnet ein deutscher Papst eine zum gegenwärtigen Zeitpunkt völlig überflüssige Diskussion lostritt.
Zu Recht haben die evangelischen Bischöfe darauf verzichtet, in gleicher Weise Kritik am katholischen Kirchenverständnis zu äußern. Allerdings wird damit wohl leider bei der Ökumene alles beim Alten bleiben: Die evangelische Kirche in ihrer ganzen Breite und einzelne katholische Christen und Priester vor Ort werden die Gemeinsamkeit der Christen suchen und in gegenseitigem Respekt miteinander leben, während aus Rom allezeit Brems- und Störmanöver zu befürchten sind.
Sei’s drum! Die Ökumene vor Ort ist stark genug, um auch dies auszuhalten.
Das meint
Ihr
Matthias Treiber
Theologische Unterschiede beim Selbstverständnis der jeweiligen Kirchen sind das Eine, das man respektieren muss, entscheidender ist gegenwärtig aber die Frage, warum ausgerechnet ein deutscher Papst eine zum gegenwärtigen Zeitpunkt völlig überflüssige Diskussion lostritt.
Zu Recht haben die evangelischen Bischöfe darauf verzichtet, in gleicher Weise Kritik am katholischen Kirchenverständnis zu äußern. Allerdings wird damit wohl leider bei der Ökumene alles beim Alten bleiben: Die evangelische Kirche in ihrer ganzen Breite und einzelne katholische Christen und Priester vor Ort werden die Gemeinsamkeit der Christen suchen und in gegenseitigem Respekt miteinander leben, während aus Rom allezeit Brems- und Störmanöver zu befürchten sind.
Sei’s drum! Die Ökumene vor Ort ist stark genug, um auch dies auszuhalten.
Das meint
Ihr
Matthias Treiber
Freitag, 15. Juni 2007
Ausgrechnet Marilyn Manson
„Man muss Hoffnung für die Welt haben, wenn man etwas beitragen will.“ – Ausgerechnet von Marilyn Manson, dem Schock-Rocker aus Florida, der wegen seiner aggressiven Texte für das Massaker an der Schule in Columbine verantwortlich gemacht (und mit einem Auftrittsverbot belegt) wurde, müssen wir uns das sagen lassen.
Nun freut sich Gott gewiss über einen reuigen Sünder mehr als über hundert Gerechte – und die Angriffe auf den Musiker, den man nicht gut finden muss, waren oft von Bigotterie und Heuchelei geprägt; aber darum geht es mir nicht, sondern um den Inhalt des Gesagten.
„Man muss Hoffnung haben für die Welt.“ Nach Jahren voller Depression und Weltunter-gangsgeschwafel und in der gegenwärtigen Katastrophenhysterie täte uns die Gegenrichtung wahrlich wieder gut: Hoffnung zu haben für die Welt
- in dem einfachen Glauben, dass Gott ist, der die Welt geschaffen hat und uns erhält,
- in der einfachen Erkenntnis, dass es uns doch gut geht,
- in dem Wissen, dass wir von Gott unendlich viele Möglichkeiten bekommen haben, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen, wenn wir nur unser Leben selbst in die Hand nehmen, Augen, Ohren und Herzen öffnen und schauen, was unseren Nächsten und uns selbst gut täte.
Wir können gleich heute damit anfangen!
Nun freut sich Gott gewiss über einen reuigen Sünder mehr als über hundert Gerechte – und die Angriffe auf den Musiker, den man nicht gut finden muss, waren oft von Bigotterie und Heuchelei geprägt; aber darum geht es mir nicht, sondern um den Inhalt des Gesagten.
„Man muss Hoffnung haben für die Welt.“ Nach Jahren voller Depression und Weltunter-gangsgeschwafel und in der gegenwärtigen Katastrophenhysterie täte uns die Gegenrichtung wahrlich wieder gut: Hoffnung zu haben für die Welt
- in dem einfachen Glauben, dass Gott ist, der die Welt geschaffen hat und uns erhält,
- in der einfachen Erkenntnis, dass es uns doch gut geht,
- in dem Wissen, dass wir von Gott unendlich viele Möglichkeiten bekommen haben, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen, wenn wir nur unser Leben selbst in die Hand nehmen, Augen, Ohren und Herzen öffnen und schauen, was unseren Nächsten und uns selbst gut täte.
Wir können gleich heute damit anfangen!
Mittwoch, 16. Mai 2007
KIrche, Knut und Pfingsten
Der katholische Theologe Johann Baptist Metz hat bei der Frage nach der Bedeutung der Kirche diese einmal mit einem Elefanten und dessen Gedächtnis verglichen. "Elefanten vergessen nicht, sie tragen nach. Mit ihrem Elefantengedächtnis hat auch die Kirche buchstäblich ein nachtragendes Wesen. Sie trägt uns, den ins Vergessen Verliebten, eine Jahrtausende alte Geschichte nach.“
Ich finde das Bild sehr treffend, denn wie der Elefant ist auch die Kirche eher unansehnlich, grau und etwas schwerfällig, im Gegensatz zum knuddeligen Knut eher medienuntauglich, dabei aber eine große Gelassenheit ausstrahlend und wen man genau hinschaut mit ungemein offenen Augen und einem guten Gehör ausgestattet.
Und dann, wie von Metz gesagt, trägt die Kirche unserer schnelllebigen, selbstverliebten und an die Gegenwart gefesselten Welt eine Jahrtausende alte Geschichte nach, die Geschichte, dass der Mensch ein göttliche Würde hat und niemals Zweck werden darf, dass nicht Eigennutz sondern Liebe der entscheidende Antrieb sein soll, dass die Welt nicht zufällig und bedeutungslos ist, sondern einen letzten Sinn hat.
Dieser Tage feiern wir ja mit den Pfingstferien auch den Geburtstag der Kirche – auch daran erinnert dieser „graue Elefant“ mit seinem historischen Gedächtnis.
Ich finde das Bild sehr treffend, denn wie der Elefant ist auch die Kirche eher unansehnlich, grau und etwas schwerfällig, im Gegensatz zum knuddeligen Knut eher medienuntauglich, dabei aber eine große Gelassenheit ausstrahlend und wen man genau hinschaut mit ungemein offenen Augen und einem guten Gehör ausgestattet.
Und dann, wie von Metz gesagt, trägt die Kirche unserer schnelllebigen, selbstverliebten und an die Gegenwart gefesselten Welt eine Jahrtausende alte Geschichte nach, die Geschichte, dass der Mensch ein göttliche Würde hat und niemals Zweck werden darf, dass nicht Eigennutz sondern Liebe der entscheidende Antrieb sein soll, dass die Welt nicht zufällig und bedeutungslos ist, sondern einen letzten Sinn hat.
Dieser Tage feiern wir ja mit den Pfingstferien auch den Geburtstag der Kirche – auch daran erinnert dieser „graue Elefant“ mit seinem historischen Gedächtnis.
Montag, 16. April 2007
"Auferstanden von den Toten?"
Wenn ich sage, dass es mir nicht schwer fällt, an die Auferstehung Jesus zu glauben, ernte ich oft befremdliches Erstaunen. An Jesus zu glauben, an seine Botschaft von der Liebe Gottes, gut, aber "am dritten Tage auferstanden von den Toten", wie die Konfirmanden gerade lernen...?
Mir fällt es leicht, daran zu glauben, weil die biblischen Erzählungen davon so glaubwürdig sind: kein Triumpfgeschrei, sondern Furcht erfüllt die Frauen am leeren Grab und die Jünger Jesu - kein Mensch würde sich die Auferstehung so ausdenken oder einbilden.
Doch diese Erzählungen für wahr zu halten, heißt noch nicht, glauben. Glauben ist mehr. An die Auferstehung zu glauben, heisst, dem Leben und der Liebe den ersten Rang einzuräumen, heisst, so zu leben, dass man sieht: Wir stehen für ein Leben in Liebe - trotz Not und Tod.
"Die Liebe, die uns leben lässt, kann selber niemals sterben" sagt Eugen Drewermann zum Ostermorgen. Einfacher gesagt: Es lohnt sich, ein liebevoller Mensch zu sein, weil darin der Sinn des Lebens liegt, der von keinem Tod verneint werden kann.
Mir fällt es leicht, daran zu glauben, weil die biblischen Erzählungen davon so glaubwürdig sind: kein Triumpfgeschrei, sondern Furcht erfüllt die Frauen am leeren Grab und die Jünger Jesu - kein Mensch würde sich die Auferstehung so ausdenken oder einbilden.
Doch diese Erzählungen für wahr zu halten, heißt noch nicht, glauben. Glauben ist mehr. An die Auferstehung zu glauben, heisst, dem Leben und der Liebe den ersten Rang einzuräumen, heisst, so zu leben, dass man sieht: Wir stehen für ein Leben in Liebe - trotz Not und Tod.
"Die Liebe, die uns leben lässt, kann selber niemals sterben" sagt Eugen Drewermann zum Ostermorgen. Einfacher gesagt: Es lohnt sich, ein liebevoller Mensch zu sein, weil darin der Sinn des Lebens liegt, der von keinem Tod verneint werden kann.
Mittwoch, 4. April 2007
Car-Freitag
Jeden Freitag der gleich Ärger - diese Woche am Feiertag Karfreitag zwar nicht, dafür ist es aber umso schmerzhafter:
Da wirbt ein Heilbronner Autohaus auf der ersten Seite der Lokalzeitung mit „Car-Freitag“ für seine Objekte der Begierde. Man sollte eigentlich denken, dass sich diese Werbung von selbst verbietet. Sie ist weder witzig, noch originell, noch gibt es einen hintergründigen Bezug – außer vielleicht zu den Kreuzen, die am Rande unserer Landstraßen zu sehen sind, aber daran denken die Autoverkäufer gewiss nicht.
Derartigem Werbeblödsinn steht entgegen, dass der Karfreitag nicht nur als bedeutendster evangelischer Feiertag gilt, sondern auch der Tag ist, an dem viele des gewaltsamen Todes Jesu gedenken. So dürfte man erwarten, dass solch eine Werbung aus Respekt vor Menschen, denen der Karfreitag etwas bedeutet, unterbleibt. Was also tun?
Um mich über solch einen Reklame-Blödsinn aufzuregen, sind mir meine Nerven zu schade. Da übe ich aus diesem Anlass lieber Gelassenheit – und denke darüber nach:
• Greift die Werbung mich oder meinen Glauben an? Eigentlich nicht, dazu ist das zu primitiv.
• Wären die Werbetexter wohl auch so mutig, wen es um einen Feiertag einer anderen Religion ginge? Vermutlich nicht.
Und dann denke ich: Man muss sich von Werbung ja nicht beeinflussen lassen. So wenig wie übrigens wie von dem Hype an den verkaufsoffenen Sonntagen.
Da wirbt ein Heilbronner Autohaus auf der ersten Seite der Lokalzeitung mit „Car-Freitag“ für seine Objekte der Begierde. Man sollte eigentlich denken, dass sich diese Werbung von selbst verbietet. Sie ist weder witzig, noch originell, noch gibt es einen hintergründigen Bezug – außer vielleicht zu den Kreuzen, die am Rande unserer Landstraßen zu sehen sind, aber daran denken die Autoverkäufer gewiss nicht.
Derartigem Werbeblödsinn steht entgegen, dass der Karfreitag nicht nur als bedeutendster evangelischer Feiertag gilt, sondern auch der Tag ist, an dem viele des gewaltsamen Todes Jesu gedenken. So dürfte man erwarten, dass solch eine Werbung aus Respekt vor Menschen, denen der Karfreitag etwas bedeutet, unterbleibt. Was also tun?
Um mich über solch einen Reklame-Blödsinn aufzuregen, sind mir meine Nerven zu schade. Da übe ich aus diesem Anlass lieber Gelassenheit – und denke darüber nach:
• Greift die Werbung mich oder meinen Glauben an? Eigentlich nicht, dazu ist das zu primitiv.
• Wären die Werbetexter wohl auch so mutig, wen es um einen Feiertag einer anderen Religion ginge? Vermutlich nicht.
Und dann denke ich: Man muss sich von Werbung ja nicht beeinflussen lassen. So wenig wie übrigens wie von dem Hype an den verkaufsoffenen Sonntagen.
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